Entdecken Sie die historischen Borghi Villa San Giovanni Calabria
Kalabrien ist eine Region voller faszinierender Kontraste, in der sich kristallklares Meer und schroffe Berge auf engstem Raum begegnen. Für kulturinteressierte Reisende bietet die Stiefelspitze Italiens weitaus mehr als nur malerische Strände. Wenn Sie sich auf die Suche nach dem authentischen Herzen dieser süditalienischen Region machen, werden Sie schnell feststellen, dass die wahren Schätze in den Hügeln und Bergen verborgen liegen. Die borghi Villa San Giovanni Calabria – die historischen Dörfer im Hinterland der Küstenstadt – sind absolute Juwelen der Geschichte, Kunst und Tradition.
Villa San Giovanni ist den meisten Reisenden als geschäftiger Fährhafen nach Sizilien bekannt. Doch diese strategisch günstig gelegene Stadt ist der perfekte Ausgangspunkt, um eine Reise in die Vergangenheit anzutreten. Von hier aus erreichen Sie in kurzer Zeit faszinierende mittelalterliche Siedlungen, die sich an steile Klippen klammern, von alten Mythen erzählen und eine Architektur bewahrt haben, die von Griechen, Römern, Byzantinern und Normannen geprägt wurde. Lassen Sie sich auf ein Abenteuer ein und entdecken Sie die unberührte Schönheit der kalabrischen Dörfer.
Die mittelalterlichen Dörfer, die Sie nicht verpassen dürfen
Nur etwa 10 Kilometer nördlich von Villa San Giovanni liegt Scilla, eines der berühmtesten und romantischsten Dörfer Kalabriens. Das historische Viertel Chianalea, oft liebevoll als das "Klein-Venedig des Südens" bezeichnet, ist ein altes Fischerdorf, in dem die Häuser direkt aus dem Meer zu wachsen scheinen. Die engen Gassen sind gesäumt von kleinen Fischerbooten und Netzen. Über dem Dorf thront majestätisch das Castello Ruffo auf einem Felsvorsprung, der das Tyrrhenische Meer überblickt. Dieser Ort ist tief in der griechischen Mythologie verwurzelt, denn hier soll das Seeungeheuer Szylla gelebt haben, das Odysseus auf seiner Reise bedrohte.
Fährt man etwa 40 Kilometer in Richtung der ionischen Küste, erreicht man das geheimnisvolle Pentedattilo. Dieses verlassene Geisterdorf ist ein absolut unvergesslicher Anblick. Es klammert sich an den Monte Calvario, dessen Felsformation der Form einer gigantischen Hand mit fünf Fingern (griechisch: penta daktylos) ähnelt. Das Dorf wurde nach schweren Erdbeben im 18. und 20. Jahrhundert von seinen Bewohnern verlassen. Heute ziehen die Ruinen Künstler, Handwerker und Reisende an, die durch die stillen, kopfsteingepflasterten Gassen wandern und die unglaubliche Atmosphäre dieses Ortes in sich aufsaugen.
Noch tiefer im Aspromonte-Gebirge, etwa 55 Kilometer entfernt, liegt Bova. Dieses Bergdorf gilt als die kulturelle Hauptstadt der Area Grecanica, einer Region, in der noch heute ein antiker griechischer Dialekt gesprochen wird. Bova bietet einen atemberaubenden Panoramablick über das Ionische Meer bis hin zum Ätna auf Sizilien. Beim Aufstieg durch die steilen Gassen entdecken Sie die Ruinen einer alten normannischen Burg, wunderschöne byzantinische Kirchen und prächtige Adelspaläste. Es ist ein Ort, an dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.
Ein weiteres Highlight, das einen etwas längeren Ausflug von knapp 80 Kilometern erfordert, ist Gerace. Es wird oft als eines der schönsten mittelalterlichen Dörfer Italiens bezeichnet und trägt den Beinamen "Stadt der hundert Kirchen". Die Lage auf einem massiven Sandsteinfelsen bot einst perfekten Schutz vor Piratenangriffen. Die beeindruckende normannische Kathedrale, das byzantinische Erbe und die verwinkelten Gassen machen Gerace zu einem Freilichtmuseum, das Sie von Ihrer Basis in Villa San Giovanni aus unbedingt besuchen sollten.
Kunst und Architektur der kalabrischen Dörfer
Die Architektur in den historischen Dörfern rund um Villa San Giovanni ist ein steinernes Geschichtsbuch. Da Kalabrien im Laufe der Jahrtausende von zahlreichen Zivilisationen erobert und besiedelt wurde, findet man hier eine einzigartige architektonische Mischung. Die Normannen hinterließen massive Festungen und Burgen, die strategisch auf den höchsten Punkten der Dörfer errichtet wurden, um die Küsten zu überwachen. Gleichzeitig brachten byzantinische Mönche ihre Kunstfertigkeit mit, die sich heute noch in den kleinen, oft versteckten Kirchen mit ihren quadratischen Grundrissen und verblassten, aber wunderschönen Fresken zeigt.
Das Herzstück eines jeden kalabrischen Dorfes ist die Piazza. Diese historischen Plätze sind umgeben von eleganten Adelspalästen, die mit kunstvoll geschnitzten Steinportalen und schweren schmiedeeisernen Balkonen verziert sind. Diese Palazzi erzählen von einer Zeit, als reiche Familien das wirtschaftliche und politische Leben der Region dominierten. Die engen, gewundenen Gassen, die von der Piazza abzweigen, wurden absichtlich so angelegt, um den Wind zu brechen und im Sommer kühlen Schatten zu spenden, aber auch um Eindringlingen die Orientierung zu erschweren.
Neben der Architektur spielt das traditionelle Handwerk eine entscheidende Rolle in der Kunstgeschichte dieser Dörfer. In Orten wie Seminara (nicht weit von Scilla entfernt) wird seit Jahrhunderten Keramik hergestellt. Besonders berühmt sind die apotropäischen Masken – groteske, bunte Keramikgesichter, die traditionell an den Hausfassaden angebracht wurden, um böse Geister abzuwehren. Auch die Webkunst, bei der noch heute antike Webstühle verwendet werden, und die feine Holzschnitzerei sind lebendige Kunstformen, die das kulturelle Erbe Kalabriens bewahren.
Eine eintägige Reiseroute: So organisieren Sie Ihren Besuch
Wenn Sie nur einen Tag Zeit haben, um die Umgebung zu erkunden, empfiehlt sich eine gut durchdachte Reiseroute. Beginnen Sie Ihren Morgen entspannt in Villa San Giovanni und fahren Sie nach dem Frühstück die kurze Strecke entlang der malerischen Costa Viola nach Scilla. Die beste Zeit für einen Spaziergang durch das Fischerviertel Chianalea ist der frühe Vormittag, wenn das Licht weich ist und die Fischer ihre Netze flicken. Besuchen Sie das Castello Ruffo, um den fantastischen Ausblick auf die Straße von Messina zu genießen, bevor die Mittagssonne zu heiß wird.
Für das Mittagessen sollten Sie unbedingt in einer traditionellen Trattoria in Scilla einkehren, deren Terrasse direkt über dem Wasser schwebt. Die lokale Spezialität ist der Pesce Spada (Schwertfisch), der hier auf traditionelle Weise mit speziellen Booten, den sogenannten Passerelle, gefangen wird. Genießen Sie dazu eine Portion Maccheroni mit einer kräftigen Soße, verfeinert mit etwas pikanter 'Nduja, und ein kühles Glas lokalen kalabrischen Weißwein. Die kalabrische Küche zeichnet sich durch ihre intensiven, authentischen Aromen aus.
Am Nachmittag setzen Sie Ihre Reise in Richtung der ionischen Küste fort, um Pentedattilo zu besuchen. Wenn Sie am späten Nachmittag ankommen, taucht die untergehende Sonne die markanten Felsen in ein tiefes Gold- und Rotbraun. Die mystische Atmosphäre des verlassenen Dorfes ist zu dieser Tageszeit besonders intensiv und bietet fantastische Fotomotive. Nach diesem magischen Erlebnis können Sie bequem zu Ihrer Unterkunft an der Küste zurückkehren und den Abend bei einem Gelato an der Promenade ausklingen lassen.
Feste und Veranstaltungen in den Dörfern
Die historischen Dörfer Kalabriens erwachen besonders in den Sommermonaten zu pulsierendem Leben, wenn die traditionellen Sagre (Lebensmittelfeste) und religiösen Feierlichkeiten stattfinden. Jedes Dorf hat seinen eigenen Schutzpatron, der mit großer Hingabe gefeiert wird. In Scilla ist das Fest des San Rocco im August ein absolutes Highlight. Die Statue des Heiligen wird in einer feierlichen, aber lauten und fröhlichen Prozession durch die engen Gassen getragen, begleitet von Musikkapellen und einem spektakulären Feuerwerk über dem Meer, das die ganze Bucht erleuchtet.
Die Sagre sind die perfekte Gelegenheit, tief in die kulinarische Kultur der Region einzutauchen. Bei der Sagra del Pesce Spada in Scilla oder den Bergamotte-Festen in der Umgebung von Reggio Calabria verwandeln sich die Dorfplätze in große Freiluftrestaurants. Einheimische und Besucher sitzen an langen Tischen zusammen, probieren regionale Delikatessen, trinken Wein und feiern das landwirtschaftliche Erbe der Region. Diese Feste sind Ausdruck der unverfälschten kalabrischen Gastfreundschaft.
Darüber hinaus gibt es in vielen Dörfern historische Nachstellungen, die die Besucher ins Mittelalter zurückversetzen. In Gerace beispielsweise finden regelmäßig Mittelaltermärkte statt. Die Straßenbeleuchtung wird ausgeschaltet und das Dorf wird nur von Fackeln erhellt. Handwerker in historischen Gewändern zeigen alte Techniken, Gaukler ziehen durch die Straßen und überall erklingt die mitreißende Musik der Tarantella. Bei diesem traditionellen Tanz, der von Tamburinen und Akkordeons begleitet wird, kann kaum ein Besucher stillstehen.
Wie man sich zwischen den Dörfern bewegt
Um die versteckten historischen Dörfer rund um Villa San Giovanni wirklich unabhängig und flexibel erkunden zu können, ist ein Mietwagen absolut empfehlenswert. Zwar gibt es Züge, die die Küstenstädte verbinden, und lokale Busse, die in die Berge fahren, jedoch sind die Fahrpläne oft unregelmäßig und an Wochenenden stark eingeschränkt. Mit einem eigenen Auto haben Sie die Freiheit, dort anzuhalten, wo die Aussicht am schönsten ist, und können auch abgelegene Orte wie Pentedattilo oder Bova problemlos in Ihrem eigenen Tempo erreichen.
Die Straßen in Kalabrien bieten einige der spektakulärsten Fahrerlebnisse Italiens. Die Fahrt entlang der Costa Viola nördlich von Villa San Giovanni belohnt Sie mit dramatischen Klippen und Ausblicken auf die Äolischen Inseln. Wenn Sie landeinwärts in den Nationalpark Aspromonte fahren, erwarten Sie kurvige, bewaldete Bergstraßen, die sich steil in die Höhe schrauben. Fahren Sie hier besonders vorsichtig, da die Straßen oft eng sind und Sie gelegentlich auf Ziegen- oder Schafherden treffen können, die die Fahrbahn kreuzen.
Ein wichtiger Tipp für Autofahrer: Die historischen Zentren der mittelalterlichen Dörfer sind in der Regel für den allgemeinen Autoverkehr gesperrt (Zone a Traffico Limitato - ZTL) oder schlichtweg zu eng für moderne Fahrzeuge. Planen Sie daher ein, Ihr Auto auf den ausgewiesenen Parkplätzen am Rande oder am Fuße der Dörfer abzustellen. Von dort aus erkunden Sie die Gassen am besten zu Fuß. Denken Sie unbedingt an bequemes, rutschfestes Schuhwerk, da die alten Kopfsteinpflasterstraßen oft steil und uneben sind.
Der ideale Ausgangspunkt: Übernachten in Villa San Giovanni
Für eine Reise zu den schönsten Dörfern der Region ist die Wahl des richtigen Standorts entscheidend. Villa San Giovanni bietet hierbei strategisch unschlagbare Vorteile. Durch die direkte Anbindung an die Autobahn A2, den wichtigen Bahnhof und den Fährhafen sind Sie perfekt vernetzt. Sie können morgens schnell in die Berge des Aspromonte aufbrechen oder die Küstenstraßen entlangfahren, ohne Zeit im dichten Stadtverkehr zu verlieren. Zudem bietet die Stadt eine hervorragende Infrastruktur mit Restaurants, Supermärkten und Cafés.
Nach einem langen, erlebnisreichen Tag in den steilen Gassen der mittelalterlichen Bergdörfer gibt es nichts Schöneres, als an die Küste zurückzukehren. In Villa San Giovanni können Sie am Abend an der Uferpromenade entspannen, die kühle Meeresbrise genießen und zusehen, wie die Lichter auf der nur wenige Kilometer entfernten Insel Sizilien langsam zu leuchten beginnen. Es ist der perfekte Ort, um die Eindrücke des Tages Revue passieren zu lassen und sich für das nächste Abenteuer auszuruhen.
In Villa San Giovanni stehen 2 ausgewählte Unterkünfte zur Verfügung. Entdecken Sie die Unterkünfte in Villa San Giovanni.